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Eine kleine blaue Scherbe und wie wieder Leben ins Spiel kam...

"Kann man davon leben," fragte mich neulich jemand, der erstmals von meinem Malort erfuhr, "vom Spielen?" Ich habe das Thema Spielen vor ca. 20 Jahren gerade für mich und meinen weiteren ‚Werdegang‘ als wesentliche Zutat wiederentdeckt. Ich erinnere mich, dass ich diese Erkenntnis damals erst mal auf Herz und Nieren überprüfen wollte, bevor ich mich entschied, Spielen als treibende Kraft (wieder) zu zulassen und zu erlauben, schließlich war ich nicht mehr 5 Jahre alt, sondern Ende dreißig… Was ich mit Hilfe einer kleinen blauen Scherbe herausfand, war: dass Spielraum das wesentliches Element für mich ist und unbemerkt mein zentraler innerer Antrieb immer schon gewesen und geblieben ist. Dies zu erkennen war so übermächtig klar und einladend, dass es kein Zurück für mich gab und ich sehr bald nur noch prüfte, was Spielraum zuließ und was nicht. Es begann mit Gedanken-Spielen Ich begann mein damaliges Berufsleben als Künstlerin nach den neuen Kriterien genauer unter die Lupe zu nehmen. Hierbei inspirierte mich Marschall Rosenberg, mit dessen Werkzeug der Gewaltfreien Kommunikation ich mich seit 2006 auseinandersetzte. Ich fertigte mir eine Liste der Dinge an, die ich nicht so gerne tat und durch bessere Alternativen ersetzen wollte, und zwar ohne zu wissen wie das gehen sollte. Das reine Gedanken-Spiel war aufregend genug: was wäre, wenn...? Zum Spiel gehörte, ALLE Gedanken zu erlauben, ohne Hintergedanken an ein bestimmtes Ergebnis. Ich schloss daher keine Idee im Vorhinein aus, noch verurteilte ich sie, nur weil ich mir noch nicht vorstellen konnte wie es ohne diesen oder jenen Aspekt umsetzen könnte. Was wäre wenn ich mich intensiver mit dem Malspiel von Arno Stern beschäftigen und die Ausbildung in Paris bei ihm machen würde? Was wäre dann mit ‚meiner Kunst“…? Ich wollte herausfinden, was mich nicht nur teilweise sondern GANZ erfüllte. Durch die Begegnung mit Arno Stern und dem Erleben des Malspiels bei einer Kollegin während dreier Jahre, spürte ich für mich eine völlig neue Möglichkeit der Entfaltung, die mich auf eine Weise beflügelte, die ich so nie zuvor beim 'Kunst-Schaffen‘ erlebt hatte. Ich spürte eine innere Ausdehnung, Freiheit und Leichtigkeit, jenseits des Reflektierens, Abwägens, Beurteilens und Überdenkens, die ich nicht für möglich gehalten hatte. Jetzt war mir so, als galoppierte ich auf einem Pferd endlich wieder über die Prärie. Obwohl es mir neu schien, berührte dieses Gefühl etwas, das mir vertraut und natürlich vorkam. Es erinnerte mich auch an Zeiten, in denen ich auf Mauern und Bäume geklettert war. An die Abenteuerlust, die ich dabei verspürte, die mich antrieb und belebte, Dinge auszuprobieren und über mich hinauszuwachsen... Ich begann zu ahnen, dass vielleicht etwas Interessanteres hinter der Weges-Biegung auf mich wartete, wenn ich nur einfach den nächsten Schritt gehen und auf den inneren Ruf hören wollte! Meine Neugier war geweckt. Und ich verabschiedete mich von Sätzen wie "Kritik ist hilfreich beim Wachstum“ oder "Da muss man durch". Ein weiteres Spiel half noch dabei, mich vertrauensvoll auf neue Pfade zu begeben: mit meiner Kollegin Christine traf ich mich zu jener Zeit häufig am Strand in Düsseldorf. Dort bewegten wir Gedanken, aber auch ‚Spielzeug‘, um Ideen und Vorhaben geistig 'durch' zu probieren. Ich fand buchstäblich im Sand mit Steinen, Muscheln und Fundstücken spielend (spürend und sortierend) heraus, dass Spielraum zu haben und zu geben für mich wesentlich sei und erinnere mich noch genau an die kleine blaue Scherbe, die mir dabei half zu erkennen, dass sich alles in meinem Leben wohl neu und stimmig ordnen würde, wenn ich nach Paris fuhr, um mehr über den Malort zu erfahren.

Das war 2013 und heute - zehn Jahre später - kann ich sagen, genauso ist es gekommen. Lange Zeit trug ich das kleine blaue Stück Glas zur Begleitung im Portemonnaie mit mir.


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